{"id":914,"date":"2025-01-23T10:28:34","date_gmt":"2025-01-23T10:28:34","guid":{"rendered":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/?post_type=review&#038;p=914"},"modified":"2025-01-27T14:55:38","modified_gmt":"2025-01-27T14:55:38","slug":"leben-mit-krebs-erfahrungen-des-psychoonkologen-dr-bram-kuiper","status":"publish","type":"review","link":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/Review\/leben-mit-krebs-erfahrungen-des-psychoonkologen-dr-bram-kuiper\/","title":{"rendered":"Leben mit Krebs: Erfahrungen des Psychoonkologen Dr. Bram Kuiper"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eMeine Erkrankung f\u00fchlt sich an wie ein Aufenthalt in einem f\u00fcr mich unbekannten Land\u201c, schrieb mein Vater in sein Tagebuch, nachdem er 1985 an Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs erkrankt war. Als Arzt wusste er bereits bei der Diagnose, dass er nicht mehr gesund werden w\u00fcrde. Meine Mutter, meine zwei Schwestern, meine zwei Br\u00fcder und ich selbst umgaben ihn mit Aufmerksamkeit, Liebe und Unterst\u00fctzung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie in einer fremden Welt<\/strong><br>Auch f\u00fcr mich f\u00fchlte es sich an wie ein Aufenthalt in einer fremden Welt. Es war meine erste eindringliche Erfahrung mit Krebs. Ich war 29 Jahre alt und arbeitete als klinischer Psychologe. Mit der Zeit wurde diese fremde Welt f\u00fcr mich jedoch immer vertrauter. Zwei Jahre sp\u00e4ter, 1987, begann ich am Free University Medical Center in Amsterdam zu arbeiten. Es war f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndlich, auch in der Onkologie-Abteilung t\u00e4tig zu sein. Dort begleitete ich Krebspatient:innen jeden Alters und mit unterschiedlichsten Prognosen sowie ihre Angeh\u00f6rigen. Es f\u00fchlte sich wie bekanntes Terrain an. Sp\u00e4ter, im Jahr 2000, wurde ich Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Helen Dowling Instituts (HDI), einem renommierten psychoonkologischen Zentrum in den Niederlanden. Das HDI unterst\u00fctzt Krebspatient:innen und ihre Angeh\u00f6rigen dabei, die Krankheit emotional zu verarbeiten und sich an die neue Lebenssituation anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Leben beschleunigt und steht still zugleich<\/strong><br>Von allen Menschen, die ich jemals psychologisch betreut habe, waren die Krebspatient:innen am offensten. Es schien, als w\u00fcrde der Druck, unter dem sie standen, all ihre Sch\u00fcchternheit aufl\u00f6sen. Das Leben beschleunigte sich, w\u00e4hrend es gleichzeitig stillstand. Mit ihnen sprach ich \u00fcber den Schock der Diagnose, die Angst vor dem Sterben, das Abschiednehmen, \u00fcber Versehrtheit und Behinderungen. Aber auch dar\u00fcber, wie man Entscheidungen trifft, neue Wege geht und das Leben feiert. Dabei wurde klar, dass \u201cdas Leben das ist, was dir passiert, w\u00e4hrend du damit besch\u00e4ftigt bist, andere Pl\u00e4ne zu machen\u201d (Zitat von Allen Saunders).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fragen \u00fcber Fragen<\/strong><br>Im Laufe der vergangenen 37 Jahre habe ich die enorme Auswirkung von Krebs auf das physische, emotionale und soziale Leben der Betroffenen und ihrer Angeh\u00f6rigen erfahren. Was habe ich dabei gelernt? Dass es in der Onkologie im Wesentlichen um die Frage geht: \u201eDa sein\u201c oder \u201enicht da sein\u201c? \u2013 w\u00f6rtlich und im \u00fcbertragenen Sinne \u2013 f\u00fcr alle, die mit Krebs zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gilt f\u00fcr alle Menschen, die Krebs haben. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter stellen sich viele die Frage: Wie lange werde ich noch leben, wie lange werde ich noch \u201eda sein\u201c? Und es dr\u00e4ngt sich eine zweite Frage auf. Die Frage nach der Lebensqualit\u00e4t: Wie m\u00f6chte ich leben, wie m\u00f6chte ich \u201eda sein\u201d, solange ich lebe?\u00a0 Was will ich noch und was m\u00f6chte ich nicht mehr? Durch die Konfrontation mit Krebs \u00fcberpr\u00fcfen Menschen ihre W\u00fcnsche und Grenzen. \u201eNicht da sein\u201c impliziert im \u00fcbertragenen Sinne das Fehlen von Lebensqualit\u00e4t. Menschen mit Krebs wollen w\u00f6rtlich und im \u00fcbertragenen Sinne \u201eda sein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es ist wichtig, da zu sein<\/strong><br>Die Frage \u201eDa sein\u201c oder \u201enicht da sein?\u201c gilt aber auch f\u00fcr alle, die in der Onkologie t\u00e4tig sind: Onkolog:innen, Pflegekr\u00e4fte, Therapeut:innen und viele andere. W\u00f6rtlich, dass man ausreichend pr\u00e4sent ist und die beste Versorgung bietet \u2013 das ist das Mindeste. Gleichzeitig auch im \u00fcbertragenen Sinne \u201eda sein\u201c. Pflegekr\u00e4fte sollten aufmerksam pr\u00e4sent bei den ihnen anvertrauten Patient:innen sein. Menschen mit Krebs erleben eine existenzielle Krise und sp\u00fcren meiner Erfahrung nach unfehlbar, ob ein Helfer oder eine Helferin mit aufrichtiger Aufmerksamkeit beteiligt ist oder nicht. Erst wenn Pflegekr\u00e4fte \u201eda sind\u201c, k\u00f6nnen sie ihre Patient:innen wirklich dabei unterst\u00fctzen, in dem f\u00fcr sie fremden, unbekannten Land \u201eda sein\u201c zu k\u00f6nnen \u2013 w\u00f6rtlich und im \u00fcbertragenen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMeine Erkrankung f\u00fchlt sich an wie ein Aufenthalt in einem f\u00fcr mich unbekannten Land\u201c, schrieb mein Vater in sein Tagebuch, nachdem er 1985 an Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs erkrankt war. Als Arzt wusste er bereits bei der Diagnose, dass er nicht mehr gesund werden w\u00fcrde. Meine Mutter, meine zwei Schwestern, meine zwei Br\u00fcder und ich selbst umgaben ihn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":709,"template":"","categories":[],"class_list":["post-914","review","type-review","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","review_tax-erfahrungsberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/review\/914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/review"}],"about":[{"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/review"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/709"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/untire.ahcom.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}